Im Alpenvorland reicht die großräumige Wetterlage nicht aus. Zwei örtliche Windsysteme legen sich darüber und sind an vielen Tagen wichtiger als alles, was auf der Bodenwetterkarte steht: der Föhn und das tägliche Auf und Ab von Tal- und Bergwind.
Föhn: warm, klar und gefährlich
Föhn entsteht, wenn eine kräftige Strömung quer über den Alpenhauptkamm gedrückt wird. Auf der Luvseite steigt die Luft am Gebirge auf, kühlt ab, kondensiert und regnet sich ab – der Steigungsregen. Über dem Kamm steht die Wolke als Föhnmauer. Im Lee sinkt die nun trockene Luft ab und erwärmt sich dabei stärker, als sie beim Aufstieg abgekühlt ist. Das Ergebnis ist die bekannte Föhnlage: außergewöhnlich warm, extrem trocken, glasklare Sicht bis zu den Bergen.
Genau diese klare Sicht ist die Falle. Der Föhn ist ein Sturm, den man nicht sieht. In der Höhe herrschen Windgeschwindigkeiten, die weit über dem liegen, was am Boden ankommt; im Lee der Kämme bilden sich Rotoren mit schwerer Turbulenz, und in den Tälern setzt der Wind stoßweise durch. Die sichtbaren Zeichen sind die glattrandigen Linsenwolken über und hinter den Bergen, die trotz starkem Wind an derselben Stelle stehen bleiben, sowie das Föhnfenster: der auffällig klare Streifen nördlich der Alpen.
Talwind und Bergwind
An ruhigen, sonnigen Tagen entsteht ein eigenes Windsystem, allein durch die Sonne. Tagsüber erwärmen sich die Hänge schneller als die freie Luft in gleicher Höhe. Die warme Luft steigt am Hang auf, von unten strömt Luft nach – der Talwind weht taleinwärts und hangaufwärts. Er setzt am späten Vormittag ein und erreicht am Nachmittag seine größte Stärke, im Inntal oder im Isartal durchaus mit 15 bis 25 Knoten.
Nachts kehrt sich alles um. Die Hänge kühlen aus, die schwere Kaltluft fließt hangabwärts und talauswärts – der Bergwind. In Kesseln und Talkessellagen sammelt sie sich zum Kaltluftsee, über dem sich Nebel bildet.
Was das für einen Flugtag bedeutet
- Bei Föhn ist die Sicht kein Argument. Der schönste Tag des Monats kann der unfliegbarste sein. Linsenwolken über den Bergen und ein auffälliger Temperatursprung sind das Signal zum Zuhausebleiben.
- Der Rotor liegt im Lee des Kamms. Bei Südföhn also auf der Nordseite – dort, wo man in den Bergen unterwegs ist.
- Talwind heißt: die Landerichtung wechselt im Tagesverlauf. Wer am Morgen in einer Richtung gestartet ist, landet am Nachmittag oft in der anderen.
- Fliege im Tal auf der Sonnenseite. Dort geht es hinauf; auf der Schattenseite sinkt die Luft ab. Und immer so, dass eine Umkehrkurve ins Tal hinein noch möglich ist.
- Der Talwind überlagert alles. Auch wenn die Vorhersage für den Platz Windstille ansagt: am Nachmittag steht der Talwind.
- Gebirgsflug will eingewiesen sein. Diese Seite ersetzt keine Einweisung, sie erklärt nur, warum es sie braucht.
Zum Merken
Föhn: klare Sicht, warme Luft, unsichtbarer Sturm. Talwind: tagsüber hinein und hinauf, nachts hinaus und hinab.