Wolken sind die Handschrift der Luft. Sie zeigen, was die Atmosphäre gerade tut – ob sie ruhig geschichtet ist oder in Bewegung, ob Feuchtigkeit heranzieht und aus welcher Richtung. Wer sie lesen kann, weiß beim Blick aus der Hallentür schon mehr, als jede Vorhersage sagt.
Drei Stockwerke und ein Sonderfall
Wolken werden nach der Höhe ihrer Untergrenze eingeteilt. Über Mitteleuropa reicht das hohe Stockwerk von etwa 20 000 bis 40 000 Fuß, das mittelhohe von 6 500 bis 20 000 Fuß, das tiefe vom Boden bis 6 500 Fuß. Der Sonderfall sind die Wolken mit großer vertikaler Erstreckung: Cumulus und Cumulonimbus wachsen quer durch alle Stockwerke.
Alle Namen setzen sich aus wenigen lateinischen Bausteinen zusammen: Stratus heißt geschichtet, Cumulus heißt gehäuft, Cirro- steht für hoch, Alto- für mittelhoch, Nimbo- für regnend.
Was die einzelnen Wolken verraten
- Cirrus – dünne Eisfedern in großer Höhe. Einzeln harmlos. Werden sie dichter und ordnen sich zu Streifen, läuft eine Warmfront heran, meist einen Tag im Voraus.
- Cirrostratus – milchiger Schleier über den ganzen Himmel. Der Halo um Sonne oder Mond ist sein Erkennungszeichen und ein zuverlässiger Fronthinweis.
- Altocumulus – grobe Schäfchen im mittleren Stockwerk. Stehen sie am Morgen türmchenförmig da (Altocumulus castellanus), ist die Schichtung in der Höhe labil – am Nachmittag sind Gewitter möglich.
- Altostratus – graue Schicht, die Sonne wie hinter Milchglas. Die Warmfront ist nah, der Regen kommt.
- Nimbostratus – dunkel, formlos, vom tiefen bis ins mittelhohe Stockwerk. Landregen über Stunden, tiefe Untergrenze, schlechte Sicht.
- Stratus – Nebel, der den Boden nicht berührt. Als Hochnebel im Winter tagelang stabil.
- Stratocumulus – aufgelockerte graue Ballen, oft die Reste zerfallender Quellwolken am Abend. Meist harmlos.
- Cumulus humilis – die flache Schönwetterwolke. Sie steht über einem Aufwind und markiert die Thermik.
- Cumulus congestus – der Blumenkohl, der in die Höhe schießt. Aus ihm wird der Cumulonimbus.
- Cumulonimbus – die Gewitterwolke mit dem Amboss. Alles, was ein Flugzeug nicht mag, an einem Ort versammelt.
- Lenticularis – linsenförmig, glattrandig, ortsfest trotz starkem Wind. Das Zeichen für Wellen und Föhn.
Was das für einen Flugtag bedeutet
- Flache Cumuli sind eine gute Nachricht – bis zur Platzrunde. Sie bedeuten Thermik, und Thermik bedeutet Böigkeit im Endanflug.
- Wachsen die Quellwolken über den Vormittag deutlich in die Höhe, plane den Rückflug vor. Zwischen Blumenkohl und Amboss liegen oft keine zwei Stunden.
- Halo am Morgen heißt: heute noch fliegen. Die Front ist unterwegs, morgen ist es vorbei.
- Linsenwolken über den Bergen sind eine Warnung, kein Schauspiel. Sie stehen für starken Höhenwind und Rotorturbulenz im Lee.
- Ein geschlossener Stratus über dem Platz löst sich im Winter oft gar nicht auf. Das Satellitenbild verrät, ob die Decke überhaupt Löcher hat.
Zum Merken
Geschichtete Wolken bedeuten ruhige Luft, aber schlechte Sicht. Gehäufte Wolken bedeuten gute Sicht, aber unruhige Luft.