Für den Sichtflug ist die Sicht die härteste Grenze überhaupt – härter als Wind, härter als Wolkenuntergrenze. Und sie ist die Größe, die sich am schnellsten ändert. Ein Blick auf zwei Zahlen im Wetterbericht sagt fast alles: Temperatur und Taupunkt.
Taupunkt und Spread
Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die Luft abkühlen muss, damit ihre Feuchtigkeit kondensiert. Der Abstand zwischen Lufttemperatur und Taupunkt heißt Spread. Er ist das Maß dafür, wie weit die Luft von der Sättigung entfernt ist – und damit die beste Kurzvorhersage für Nebel, die es gibt.
Strahlungsnebel – der häufigste Fall
Er entsteht in klaren, windschwachen Nächten. Ohne Wolkendecke strahlt der Boden seine Wärme ungehindert in den Weltraum ab und kühlt schnell aus, mit ihm die Luftschicht darüber. Erreicht sie ihren Taupunkt, kondensiert die Feuchtigkeit: Nebel. Weil kalte Luft schwerer ist, sammelt er sich zuerst in Senken, Mooren und Flusstälern – im Alpenvorland also fast überall dort, wo auch die Flugplätze liegen.
Am Vormittag heizt die Sonne den Boden wieder auf, die Luft erwärmt sich und der Nebel löst sich auf – manchmal binnen Minuten, manchmal erst am Nachmittag, im Winter überhaupt nicht. Etwas Wind hilft: er mischt trockenere Luft von oben ein. Zu viel Wind verhindert Strahlungsnebel ganz.
Die anderen Nebelarten
- Advektionsnebel entsteht, wenn milde, feuchte Luft über kalten Boden strömt – typisch im Spätwinter über Schnee. Er hält sich auch bei Wind und löst sich mit der Sonne kaum auf.
- Hochnebel ist Stratus, dessen Untergrenze nicht ganz bis zum Boden reicht. Unter einem Winterhoch liegt er als geschlossene Decke tagelang über dem Alpenvorland, während in 1 000 Metern die Sonne scheint.
- Dunst ist kein Nebel, sondern Trübung durch feine Partikel und Feuchtigkeit. Er drückt die Sicht auf wenige Kilometer, ohne dass eine einzige Wolke am Himmel steht – vor allem unter einer Inversion.
Was das für einen Flugtag bedeutet
- Die Sicht von oben ist schlechter als vom Boden. Am Boden schaut man durch wenige hundert Meter Dunst, im Anflug schräg durch mehrere Kilometer davon.
- Gegen die Sonne verschwindet die Sicht. Dieselbe Dunstschicht ist mit der Sonne im Rücken brauchbar und gegen die Sonne fast undurchdringlich – ein Grund, die Landerichtung mitzudenken.
- Nach dem Nebel wird es nicht immer besser. Löst er sich auf, bleibt oft eine Hochnebeldecke oder eine dicke Dunstschicht zurück.
- Am Abend kommt er schnell zurück. Wer im Herbst um 17 Uhr in klarer Luft startet, kann um 18:30 vor einer geschlossenen Nebeldecke über dem Heimatplatz stehen.
- Zwei Zahlen genügen für die erste Einschätzung. Nähern sich Temperatur und Taupunkt im Tagesverlauf auf unter zwei Grad an, ist Nebel im Anmarsch.
Zum Merken
Klare Nacht, wenig Wind, kleiner Spread – am Morgen liegt Nebel.