Wind ist nichts anderes als Luft, die einen Druckunterschied ausgleichen will. Wie stark sie das tut, steht in den Isobaren der Wetterkarte – und warum sie dabei nicht geradeaus läuft, sondern um die Druckgebiete herum, liegt an der Drehung der Erde.

Der Druckgradient: die Ursache

Zwischen einem Gebiet mit hohem und einem mit niedrigem Druck entsteht eine Kraft, die die Luft vom Hoch zum Tief schiebt – die Druckgradientkraft. Je größer der Druckunterschied auf einer bestimmten Strecke, desto stärker diese Kraft und desto stärker der Wind.

Auf der Wetterkarte sieht man das sofort: Isobaren verbinden Orte gleichen Luftdrucks, üblicherweise im Abstand von 5 hPa. Liegen sie weit auseinander, ist der Druck flach verteilt und es weht schwach. Drängen sie sich, ist der Übergang steil und es wird windig.

Zwei Isobarenfelder im Vergleich: weit auseinanderliegende Isobaren mit kurzem Windpfeil, eng liegende Isobaren mit langem Windpfeil.
Der Abstand der Isobaren ist das Maß für die Windstärke – lesbar, ohne eine einzige Zahl zu kennen.

Die Corioliskraft: die Ablenkung

Die Erde dreht sich unter der strömenden Luft weg. Für einen Beobachter am Boden sieht das so aus, als würde jede Bewegung auf der Nordhalbkugel nach rechts abgelenkt. Diese scheinbare Kraft heißt nach ihrem Entdecker Corioliskraft; sie wird mit der Windgeschwindigkeit größer und verschwindet am Äquator.

In der freien Atmosphäre halten sich Druckgradient- und Corioliskraft die Waage. Der Wind läuft dann nicht vom Hoch zum Tief, sondern parallel zu den Isobaren – man nennt ihn geostrophischen Wind. Daraus folgt der Drehsinn: um ein Hoch im Uhrzeigersinn, um ein Tief dagegen.

Zwei Druckgebiete mit Isobarenringen: um das Hoch laufen die Windpfeile im Uhrzeigersinn nach außen, um das Tief gegen den Uhrzeigersinn nach innen.
Nahe am Boden bremst die Reibung den Wind ab – die Corioliskraft wird schwächer und die Luft strömt schräg zu den Isobaren, ins Tief hinein und aus dem Hoch heraus.

Reibung: warum unten alles anders ist

Bodennah bremsen Gelände, Wald und Bebauung die Strömung. Der Wind wird langsamer, damit auch die Corioliskraft kleiner, und die Luft läuft schräg über die Isobaren – über Land um etwa 30°, über Wasser um 10° bis 20°. Genau deshalb füllt sich ein Tief mit der Zeit auf: die einströmende Luft muss oben wieder abfließen.

Mit zunehmender Höhe nimmt der Reibungseinfluss ab. Der Wind wird stärker und dreht auf der Nordhalbkugel nach rechts – ein Effekt, der schon zwischen Platzrunde und Reiseflughöhe deutlich spürbar ist.

Was das für einen Flugtag bedeutet

  • Erst die Isobaren, dann die Windvorhersage. Enge Isobaren über Bayern heißen: heute wird es auch am Boden ungemütlich, egal was die Punktvorhersage sagt.
  • Oben ist mehr Wind als unten – und aus einer anderen Richtung. Wer den Bodenwind für die Platzrunde nimmt, unterschätzt regelmäßig die Versetzung im Gegenanflug.
  • Böen sind Höhenwind, der nach unten durchschlägt. Bei labiler Schichtung mischt sich schnellere Luft von oben herunter; die Spitzen liegen dann leicht beim Doppelten des Mittelwinds.
  • Hinter Hindernissen liegt der Rotor. Waldrand, Halle, Hangkante: die gestörte Zone reicht rund das Zehn- bis Zwanzigfache der Hindernishöhe nach Lee.
  • Im Alpenvorland überlagert sich alles mit dem Talwind. An ruhigen Strahlungstagen setzt am Vormittag der Talaufwind ein und dreht am Abend um – unabhängig von der großräumigen Lage.

Zum Merken

Enge Isobaren = starker Wind. Hoch rechtsherum und hinaus, Tief linksherum und hinein.