Italien beginnt hinter dem Brenner, und fliegerisch beginnt dort ein anderes System. Drei Dinge merkst du sofort: Unter FL 195 ist der Luftraum grundsätzlich G, über Mailand und Rom steht eine Klasse, in die dich keine Freigabe bringt, und das ganze Land ist Transponderpflichtzone.

Stand: September 2026. Die Zahlen stammen aus dem AIP Italia, AIRAC-Ausgabe vom 3. September 2026 (ENR 1.1, ENR 1.2, ENR 1.4, ENR 1.6, ENR 1.7, ENR 1.10, ENR 2.1.1 und GEN 1.2). Verbindlich sind das AIP von ENAV, die NOTAM und die aktuelle Karte, nicht diese Seite.
Unten G, und zwar bis FL 195
Deutschland legt über fast alles den Luftraum E, in der Regel ab 2500 Fuß über Grund. Italien macht das Gegenteil: Die Fluginformationsgebiete Milano, Roma und Brindisi sind von Grund bis FL 195 als Klasse G eingestuft. Kontrolliert ist nur, was ausdrücklich als Kontrollzone, CTA oder TMA veröffentlicht ist.
Für dich heißt das: Auf dem Weg von der Grenze zum Gardasee oder die Adria hinunter bist du meistens im unkontrollierten Luftraum unterwegs, ohne Freigabe und ohne Funkzwang. Die kontrollierten Stücke stehen dafür klar umrissen auf der Karte, und sie fangen dort an, wo Verkehrsflughäfen liegen.
Die Klasse, die es bei uns nicht gibt
Über Mailand und Rom liegt Luftraum A. Die TMA Milano mit ihren Zonen 1 bis 8 reicht bis FL 95, darüber schließt die CTA Milano Zone 1 bis FL 195 an, beide Klasse A. Über Rom reicht die TMA mit 19 Zonen bis FL 125, darüber die CTA Roma Zone 1 bis FL 195. Auch die Zone 2 der Kontrollzone Malpensa ist A.
In Klasse A ist VFR nicht zugelassen. Das ist kein Fall von früh genug fragen, sondern eine Wand: Du planst außen herum oder darunter durch. Die übrigen Kontrollzonen und CTA sind Klasse D, dort gilt das vertraute Spiel aus Anruf, Freigabe und Hörbereitschaft.
Ganz Italien ist eine TMZ
Der Luftraum der drei FIR und UIR ist als TMZ Italia ausgewiesen. Flugzeuge, Hubschrauber und fortgeschrittene Ultraleichte müssen darin einen Transponder mit Mode A und C oder Mode S mitführen, und zwar in jeder Luftraumklasse, auch im G. Andere Luftfahrzeuge brauchen ihn in den Klassen A bis E.
Ohne Anweisung der Flugsicherung rastest du 7000, wenn dich niemand betreut, und 2000, wenn du in Verbindung stehst, aber keinen Code zugewiesen bekommen hast.
Die Halbkreisregel ist gedreht
Oberhalb von 3000 Fuß über Grund gilt auch in Italien die Reiseflughöhenregel, aber mit anderen Sektoren als bei uns: Statt der Kurse 000 bis 179 Grad zählt der Bereich 090 bis 269 Grad, und statt 180 bis 359 Grad der Bereich 270 bis 089 Grad. Italien hat die Einteilung an die Hauptverkehrsrichtungen im Land angepasst.
Praktisch heißt das: Auf einem Nordkurs die Adria hinauf fliegst du die Höhen, die du zu Hause auf einem Westkurs fliegen würdest. Wer das nicht auf dem Schirm hat, ist auf der falschen Seite der Rundung unterwegs.
Übergangshöhe: eine pro Flugplatz
Es gibt keine landesweite Übergangshöhe. Das AIP führt sie je Flugplatz auf, und sie liegt meist zwischen 5000 und 7000 Fuß. Bolzano hat 10 000 Fuß, Aosta 15 000, Lampedusa 4000. Die Übergangsfläche bekommst du im Anflug genannt.
Funk: Italienisch ist erlaubt, Englisch nicht überall
Unter und bei FL 195 darf im VFR Italienisch oder Englisch gesprochen werden, darüber und im IFR nur Englisch. An einigen Plätzen schreibt die ENAC auch für VFR Englisch vor: Malpensa, Linate, Fiumicino, Venezia/Tessera und Bergamo für die Piste 10/28. An Bologna, Catania, Palermo, Napoli und Bergamo 12/30 gilt das für alle, die ein Sprachzeugnis in Englisch haben.
Der Fluginformationsdienst heißt Informazioni. Für den Norden sind zwei Zentralen zuständig:
- Milano Informazioni auf 135,075, 124,925 und 128,925 MHz, 0600 bis 2200 UTC, im Sommer 0500 bis 2100. Danach übernimmt Milano ACC auf 125,275.
- Padova Informazioni auf 124,150 und 126,425 MHz, gleiche Zeiten. Außerhalb davon läuft FIS auf 120,725 oder 134,750 MHz.
Vor der Grenze melden
Diesen Punkt kennt man aus Deutschland nicht: Wer aus dem Ausland in die FIR Milano, Roma oder Brindisi einfliegt, muss vorher beidseitigen Funkkontakt mit der zuständigen Flugsicherungsstelle aufgenommen haben. VFR wie IFR, und ausdrücklich unabhängig davon, welche Luftraumklasse an der Grenze liegt. Der Anruf bei Padova oder Milano Informazioni gehört also zur Grenze dazu, auch wenn du im G unterwegs bist.
Flugplan
Ein Flugplan ist fällig für jeden Flug, der Flugverkehrskontrolle in Anspruch nimmt, für jeden Flug über eine Staatsgrenze (Ausnahme: San Marino) und für Nachtflüge, die die Platzrunde verlassen. Abgabe spätestens 30 Minuten vor dem Start.
Wer ohne Flugplan fliegt und trotzdem funkt, sagt es dazu: Muster, VFR, no flight plan. Einen Alarmdienst gibt es dann nicht.
Was das für einen Flugtag bedeutet
- Die Grenze ist ein Funkruf. Verbindung mit Padova oder Milano Informazioni aufnehmen, bevor du die FIR erreichst.
- Transponder an, immer. Ohne Mode A und C oder S bist du in Italien auch im G nicht regelkonform.
- Mailand und Rom großräumig umplanen. Klasse A lässt sich nicht erfragen.
- Reiseflughöhe nach den italienischen Sektoren wählen, sobald du über 3000 Fuß über Grund bist.
- Übergangshöhe des Zielplatzes vorher nachsehen. Sie ist an jedem Platz anders.
Und mit dem Ultraleicht?
Für UL gilt in Italien ein eigenes Regelwerk, das über die Luftraumfrage hinausgeht: Höhenbegrenzung, Landeplätze und der Unterschied zwischen Basico und Avanzato stehen auf Italien mit dem UL.
Wo du das nachliest
ENAV veröffentlicht das eAIP Italia im Netz, mit einer Ausgabe je AIRAC-Zyklus. Die für diese Seite wichtigen Abschnitte sind ENR 1.4 für die Luftraumklassen, ENR 1.2 für die VFR-Regeln, ENR 1.6 für den Transponder, ENR 1.7 für Höhenmesser und Reiseflughöhen, ENR 1.10 für den Flugplan, ENR 2.1.1 für die FIR mit ihren Frequenzen und GEN 1.2 für Einflug und Zoll. Dazu vor dem Flug die NOTAM und die aktuelle Karte.
Zum Merken
Italien ist unten offener und oben strenger. Wer die Grenze anfunkt, den Transponder laufen lässt und Mailand und Rom umplant, hat das Wesentliche beisammen.