Der Handbuchwert für die Startstrecke gilt für einen Tag, den es selten gibt: Normbedingungen, Meereshöhe, feste Bahn. Jeder Schritt davon weg kostet Meter — und am Grasplatz im Hochsommer addieren sich die Schritte.

Stand: September 2026. Grundwerte und Zuschläge stammen aus dem Betriebshandbuch der A22, die Dichtehöhenformel ist eine gängige Faustregel. Maßgeblich sind die Zahlen deines Handbuchs für dein Flugzeug und deine Beladung.
Was im Handbuch steht
Die A22 braucht über ein 15-Meter-Hindernis rund 215 Meter, landet in unter 350 Metern und steigt mit mindestens 3 Metern je Sekunde. Diese Werte gelten bei Normbedingungen auf Meereshöhe und bei höchstzulässiger Masse. Das Handbuch nennt gleich dazu die Zuschläge: hohes Gras bis 25 Prozent, verschmutzte oder weiche Bahn 10 bis 15 Prozent, hohe Temperaturen 5 bis 10 Prozent.
Dichtehöhe: die Höhe, die der Flügel spürt
Der Flügel trägt nach Luftdichte, nicht nach Höhenmesser. Steigt die Temperatur, wird die Luft dünner, und das Flugzeug verhält sich, als läge der Platz höher. Die brauchbare Faustformel: Druckhöhe plus etwa 120 Fuß für jedes Grad über der Standardtemperatur.
Ein Beispiel aus dem Voralpenland: ein Platz auf 2000 Fuß, 30 Grad im Schatten. Standard wären dort rund 11 Grad, die Differenz sind 19 Grad, macht rund 2300 Fuß Zuschlag — der Start findet statt, als läge der Platz auf gut 4000 Fuß. Motor, Propeller und Flügel arbeiten alle gleichzeitig schlechter.
Drei Effekte, ein Ergebnis
- Der Motor leistet weniger, weil weniger Sauerstoff durch den Vergaser geht.
- Der Propeller greift schlechter, weil er in dünnerer Luft weniger Schub erzeugt.
- Der Flügel braucht mehr Fahrt über Grund für denselben Auftrieb — die angezeigte Abhebegeschwindigkeit bleibt gleich, die Geschwindigkeit über Grund steigt.
Deshalb verlängert sich nicht nur der Rollweg, sondern auch das Steigen danach. Wer an einem heißen Tag aus einem Tal startet, hat beides gegen sich.
Gras ist nicht gleich Gras
Die 25 Prozent aus dem Handbuch gelten für hohes Gras. Feuchtes, frisch gemähtes oder weiches Grün liegt dazwischen, und eine Bahn nach drei Regentagen ist ein eigener Fall. Sichere Praxis: den ungünstigsten Zuschlag rechnen, den man sich vorstellen kann, und den Abbruchpunkt vorher festlegen.
Der Abbruchpunkt
Eine Zahl im Kopf ersetzt jede Rechnung im Nachhinein: Bis zu welchem Punkt der Bahn muss die Abhebegeschwindigkeit erreicht sein? Ist sie es nicht, wird abgebrochen — nicht gezogen. Bei kurzen Plätzen markiert man sich diesen Punkt an einem Baum, einer Einfahrt oder einem Schild.
Was das für einen Flugtag bedeutet
- Im Hochsommer früh starten. Am selben Platz ist der Unterschied zwischen acht und vierzehn Uhr größer als jede Zuladungsfrage.
- Zuschläge addieren, nicht mitteln. Gras, Hitze und Platzhöhe treffen gemeinsam zu.
- Abbruchpunkt festlegen, bevor der Gashebel nach vorn geht.
- Alpenplätze eigens rechnen. 3000 Fuß Platzhöhe und 25 Grad ergeben schnell eine Dichtehöhe über 5000 Fuß.
- Volltanken ist eine Entscheidung, keine Gewohnheit — an kurzen Plätzen kostet jeder Liter Meter.
Zum Merken
Der Höhenmesser zeigt, wo der Platz liegt. Die Dichtehöhe zeigt, wo das Flugzeug glaubt zu sein.