Der Rotax 912 ULS ist unempfindlich, solange man ihm das gibt, was er verlangt: mindestens ROZ 95. Die eigentliche Frage ist nicht, ob er läuft, sondern was die Sorte langfristig mit Brennraum, Öl und Dichtungen macht.

Stand: September 2026. Quellen sind die Rotax Service Information SI-912-016 und das Betriebshandbuch der A22. Verbindlich ist immer das Handbuch deines Flugzeugs zusammen mit den Unterlagen des Motorenherstellers, nicht diese Seite.
ROZ 95 ist die Untergrenze, nicht die Empfehlung
Das Handbuch der A22 nennt zwei zulässige Sorten: unverbleiten Tankstellenkraftstoff mit mindestens ROZ 95 oder AVGAS 100LL. Mehr Oktan bringt dem 912 nichts, weniger kostet ihn Klopffestigkeit. Super mit ROZ 95 ist also nicht der Kompromiss, sondern der Auslegungspunkt.
E10: Rotax sagt ja, die Zelle muss mitspielen
Rotax hat die 912er-Reihe ausdrücklich für E10 freigegeben. Der entscheidende Halbsatz steht gleich dahinter: Der Betreiber muss beim Zellenhersteller prüfen, ob Tank, Schläuche und Dichtungen bis zu zehn Prozent Ethanol vertragen. Der Motor ist also nicht das Nadelöhr, das Flugzeug drumherum ist es.
Dazu kommt der Umstand, den man im Alltag merkt: Ethanol zieht Wasser. In einem Tank, der wochenlang halbvoll in der Halle steht, sammelt sich Feuchtigkeit, die vorher in der Luft war. Wer selten fliegt, fährt mit ethanolfreier Ware oder einem vollen Tank besser.
AVGAS 100LL: erlaubt, aber teuer erkauft
AVGAS ist zugelassen und hat zwei echte Vorteile: Es ist lagerstabil und neigt weniger zu Dampfblasen. Dafür ist es verbleit, und das Blei bleibt nicht im Abgas. Es lagert sich im Brennraum ab und landet im Öl, weshalb Rotax bei Bleikraftstoff häufigere Ölwechsel verlangt.
Für den Dauerbetrieb ist es damit die schlechtere Wahl. Als Reserve auf einer Reise, wenn am Platz nichts anderes steht, ist es völlig in Ordnung.
Sommerware und Winterware
Tankstellenkraftstoff wird jahreszeitlich unterschiedlich gemischt. Winterware ist leichter flüchtig, damit der Motor bei Kälte anspringt — und genau deshalb neigt sie im Hochsommer zu Dampfblasen. Rotax formuliert es unmissverständlich: Sommerware nur im Sommer, Winterware nur im Winter. Wer im März einen Kanister vom Dezember leert, sollte wissen, was er tut.
Der Kanister in der Halle
Benzin altert. Nach einigen Monaten verliert es leichte Bestandteile, die Oktanzahl sinkt, und bei ethanolhaltiger Ware setzt sich Wasser ab. Für den Kanister heißt das: klein kaufen, häufig umschlagen, dunkel und dicht lagern — und im Zweifel den Rest ins Auto geben statt ins Flugzeug.
Was das für einen Flugtag bedeutet
- Vor dem ersten Flug nach langer Standzeit drainieren. Wasser sammelt sich unten, nicht oben.
- Vollgetankt einhangaren, wenn das Flugzeug länger steht. Weniger Luft im Tank heißt weniger Kondenswasser.
- Bei AVGAS im Tank das Ölwechselintervall im Kopf behalten, nicht erst beim nächsten Check.
- Im Hochsommer keine Winterware verfliegen — Dampfblasen zeigen sich zuerst beim heißen Start nach der Mittagspause.
- Neue Sorte, neuer Blick ins Handbuch. Was der Motor darf, ist nur die halbe Antwort.
Zum Merken
ROZ 95 ist die Grenze nach unten, E10 eine Frage an die Zelle und AVGAS eine Reserve, kein Dauerzustand.