Für ein deutsches Ultraleicht ist Italien zweigeteilt: Der Einflug ist frei, aber im Land gilt ein eigenes UL-Recht, das nicht für dich gemacht wurde. Wer weiß, was Basico und Avanzato bedeuten, versteht auf Anhieb, warum manche Plätze dich nehmen und andere nicht.

Vergleich der italienischen UL-Klassen Basico und Avanzato mit ihren Rechten und Pflichten

Stand: September 2026. Rechtsgrundlage ist das DPR 133/2010, die Luftraum- und Platzangaben stammen aus dem AIP Italia vom 3. September 2026 (ENR 1.2, ENR 5.5.4, GEN 1.2 und AD 1.3). Die Einordnung deutscher UL in Italien ist rechtlich unscharf; diese Seite ist Orientierung, keine Auskunft.

Der Einflug selbst ist frei

Ein in der EU eingetragenes UL braucht für Italien keine Einflugbewilligung. Das DPR 133/2010 lässt Geräte aus EU-Staaten ohne Verfahren zu; nur für Geräte aus Drittstaaten verlangt es eine Genehmigung des Aero Club d'Italia. Seit 2022 sind in Italien auch 600 Kilogramm zulässig, das Thema erledigt sich also ebenfalls.

Der Weg dorthin ist die eigentliche Planungsfrage: Die Schweiz verlangt seit 2021 für jeden UL-Einflug eine kostenpflichtige Bewilligung. Über Österreich ist es unkomplizierter, dort sind deutsche UL und Lizenzen anerkannt.

Basico und Avanzato

Luftraumklassen, Funk, Flugplan und die TMZ Italia stehen auf der Seite Italien: Luftraum, Funk und Flugplan.

Italien teilt seine Ultraleichten in zwei Klassen. Basico ist das einfache Gerät: höchstens 1000 Fuß über Grund, gemessen am höchsten Hindernis im Umkreis von fünf Kilometern, mindestens 500 Fuß über Grund, keine kontrollierten Lufträume, keine Dienste der Flugsicherung und damit auch kein Flugplan. Gelandet wird auf Campi di Volo, nicht auf Flugplätzen des AIP.

Avanzato nimmt dagegen wie ein normales Flugzeug am Verkehr teil: alle für VFR zugänglichen Lufträume, Freigaben, Flugpläne, Flugplätze. Dafür verlangt das Reglement eine Ausstattung mit Rettungsgerät, VHF-Funk, ELT und Transponder Mode A und C oder S, und es verlangt sie für Gerät und Pilot gemeinsam.

Im Funk geben sich die Avanzati zu erkennen: Vor das Rufzeichen gehört das Wort ULTRALIGHT. Im Flugplan steht im Feld 9 die Kennung ULAC und im Feld 18 der Vermerk RMK/ULAC ADVANCED.

Der Haken für D-Kennzeichen

Ausländische Geräte und ausländische Piloten gelten nach dem DPR 133/2010 zunächst als Basico. Als Avanzato anerkannt zu werden, setzt eine Vereinbarung zwischen dem Aero Club d'Italia und dem DAeC voraus, die es bisher nicht gibt. In der Luft behandelt die Flugsicherung ein ausgerüstetes deutsches UL in aller Regel wie ein Avanzato, am Boden kann die Papierlage eine andere sein. Wer einen Aeroporto anfliegen will, fragt deshalb besser vorher schriftlich an und nennt dabei Muster, Zulassung, Ausrüstung und Lizenz.

Welche Plätze du anfliegen darfst

Das AIP beantwortet die Frage sauber: In der Flugplatzliste AD 1.3 gibt es die Spalte VDS Avanzato / Advanced ULM mit einem klaren Ja oder Nein. Von 97 aufgeführten Plätzen stehen 74 auf Ja.

  • Im Norden offen: Bolzano, Brescia/Montichiari, Aosta, Parma, Rimini, Trieste/Ronchi, dazu die kleinen Plätze wie Verona/Boscomantico, Venezia/Lido, Padova, Milano/Bresso, Asiago, Belluno, Udine/Campoformido, Varese/Venegono, Valbrembo, Vercelli, Cremona/Migliaro, Ferrara, Massa Cinquale und Alzate Brianza.
  • Geschlossen: Bergamo/Orio al Serio, Bologna, Milano/Linate, Milano/Malpensa, Venezia/Tessera, Verona/Villafranca, Treviso, Torino/Caselle, Pisa, Firenze und Genova.

Die Liste ändert sich mit jedem AIRAC-Zyklus. Vor der Planung lohnt der Blick in die aktuelle AD 1.3, sie steht frei im Netz.

Campi di Volo und Aviosuperfici

Italien kennt neben den Flugplätzen des AIP zwei weitere Kategorien, und der Unterschied ist wichtig:

  • Campo di Volo: kein Rechtsbegriff, sondern schlicht eine geeignete Fläche. Artikel 6 des DPR 133/2010 erlaubt Start und Landung mit dem UL auf jeder geeigneten Fläche, wenn der Eigentümer zustimmt. Ein Flugplatzzwang wie bei uns existiert nicht, ein vollständiges Verzeichnis deshalb auch nicht.
  • Aviosuperficie: ein gemeldeter privater Landeplatz, den auch zertifizierte Flugzeuge nutzen dürfen. Auch hier gilt: Die Erlaubnis des Betreibers holt man vorher ein, sie ergibt sich nicht aus der Veröffentlichung.

Wer solche Plätze sucht, kommt am Avioportolano nicht vorbei. Dort sind die Flächen verzeichnet, deren Betreiber Gäste wollen, mit Bahn, Kontakt und Auflagen. Die Daten fließen auch in Skydemon und EasyVFR.

UL-Zonen und Korridore

Das AIP führt im Abschnitt ENR 5.5.4 eigene UL-Gebiete und Korridore auf, meist als schmale Schläuche bis 500 Fuß über Grund, mit denen Plätze innerhalb großer Kontrollzonen erreichbar bleiben. Der Haken steht in derselben Tabelle: Die Nutzung ist an eine Koordinierung mit der zuständigen Kontrollstelle und häufig an den ansässigen Verein gebunden. Für Durchreisende sind sie keine Abkürzung.

Grenze, Zoll und Meldungen

Für den Flug über die Staatsgrenze ist ein Flugplan Pflicht. Innerhalb der EU darfst du ohne Zwischenlandung auch einen Platz ohne Zollabfertigung anfliegen, wenn alle an Bord gültige Papiere haben; der Umstand gehört in das Feld 18 des Flugplans. Ist am Zielplatz keine Grenzbehörde vor Ort, meldest du der zuständigen Flugplatzdirektion mindestens drei Stunden vor der Landung Herkunfts- oder Zielflugplatz und die Zahl der Insassen.

Was das für eine Italienreise bedeutet

  • Über Österreich planen, nicht über die Schweiz.
  • Zielplatz vorher anfragen, wenn es ein Aeroporto ist, und die Antwort mitnehmen.
  • AD 1.3 prüfen: steht in der Spalte Advanced ULM ein Nein, hilft auch Fragen nicht weiter.
  • Ausrüstung vollständig: Funk, Transponder, ELT und Rettungsgerät sind das, was dich in Italien plausibel macht.
  • Campi di Volo sind Privatgelände, keine öffentlichen Plätze. Zustand und Zustimmung klärst du vorher.

Wo du das nachliest

Rechtsgrundlage ist das DPR 133/2010, die Flugplatzfrage beantwortet AD 1.3 des AIP Italia, die UL-Gebiete stehen in ENR 5.5.4 und die Höhenregel für UL in ENR 1.2. Für die Praxis ist die private Seite fliegen-in-italien.de von Philipp Tiemann die ausführlichste deutschsprachige Quelle; die Landeplätze findest du im Avioportolano.

Zum Merken

Der Einflug ist frei, der Status nicht. Rechtlich bist du Basico, praktisch fliegst du wie ein Avanzato — und diese Lücke schließt man mit vollständiger Ausrüstung und einer Anfrage vorab.